Kaum ein Song der Achtziger ist so legendär wie „Every Breath You Take“. Acht Wochen lang dominierte er 1983 die US-Charts, wurde 2019 zum meistgespielten Radiosong der Geschichte erklärt und brachte 1997 als Hip-Hop-Hommage „I’ll Be Missing You“ von P. Diddy erneut weltweiten Erfolg. Für viele ist es der Klassiker von Sting und The Police.
Doch 42 Jahre nach Veröffentlichung landet der Hit wieder im Rampenlicht – diesmal vor Gericht. Gitarrist Andy Summers und Drummer Stewart Copeland haben Sting in London verklagt. Ihr Vorwurf: Sie seien Mitautoren des Songs und hätten Anspruch auf Tantiemen.
Wer hat den Song wirklich geschrieben?
Unstrittig ist, dass Sting Text, Akkorde und Melodie entwickelte – er selbst erzählte oft, wie ihm der Song nachts in Jamaika in nur zehn Minuten einfiel. Summers steuerte jedoch das berühmte Gitarrenriff bei, ohne das der Song heute kaum vorstellbar wäre. Genau an diesem Punkt entzündet sich der Streit: Gehört ein markantes Riff noch zum Arrangement – oder schon zum Songwriting?
Alte Wunden brechen auf
Die Band war schon in den Achtzigern berüchtigt für interne Kämpfe. Bei den Aufnahmen zu „Synchronicity“ kam es zu handfesten Prügeleien, Sting und Copeland lieferten sich sogar Backstage-Schlägereien. Kurz nach dem Triumph von „Every Breath You Take“ zerbrach die Band endgültig.
Dass Summers und Copeland jetzt juristisch nachlegen, überrascht viele – aber es spiegelt eine Entwicklung wider: Da Plattenverkäufe kaum noch Geld bringen, sind Verlagsrechte und Streaming-Tantiemen für Musiker heute entscheidender denn je.
Ein Hit mit düsterem Kern
Trotz seines romantischen Klangs war „Every Breath You Take“ nie ein klassisches Liebeslied. Sting selbst beschrieb es als Song über Kontrolle und Besessenheit. Vielleicht erklärt genau diese Ambivalenz, warum das Stück bis heute fasziniert – und warum es sogar die Band, die es berühmt machte, nicht loslässt.
Ob das Gericht Summers und Copeland nachträglich als Mitautoren anerkennt, bleibt offen. Sicher ist nur: Auch vier Jahrzehnte später sorgt der größte Hit von The Police noch immer für Schlagzeilen.
Bild: Universal / Eric Ryan Anderson



